Die Bearbeitung von pflanzlichem Material

Pflanzen, die in der Natur wild wachsen, stellten Ausgangsmaterialien für verschiedenste Produkte dar. Kostenloses Rohmaterial waren nicht nur Weiden- und Haselnussruten, sondern auch Maisfedern und Binsen, Schilfrohr, Stroh und Lianen.


Korbflechter und Besenbinder

06-4-6-1 1Die Bauern stellten im so genannten Haushandwerk in den Wintermonaten meist ihren eigenen Bedarf an Körben und Besen her. Wenn dazu die nötige Zeit fehlte oder ein besonderes Produkt angefertigt werden sollte, nahm man die Dienste der Roma in Anspruch.

Manche Familien hatten sich auf bestimmte Produkte und Techniken spezialisiert und verkauften diese an die Bauern der umliegenden Gegend.

Auch an Händler wurden ab Mitte des 19. Jahrhunderts bestimmte Produkte (Näh- und Strickkörbe, Besen) für den Markt in Graz und Wien verkauft.

An der Produktion war meist die ganze Familie beteiligt. Das Rohmaterial musste besonders aufbereitet werden. Weidenruten mussten beispielsweise weich gemacht werden, bevor sie weiter zu Körben für die Lagerung von Ackerfrüchten, Buckelkörben, Wäschekörben etc. verarbeitet werden konnten.
Die Bauern beauftragten Roma mit der Herstellung von Wagenkörben. Solche überdimensionalen Körbe wurden als Aufsatz für den Viehwagen angepasst und dienten u.a. zum Transport von Grünfutter.

Aus Binsen wurden Taschen und aus Stroh große bauchige Körbe für die Aufbewahrung des Korns angefertigt.


06-4-6-2 1Sesselflechter

In Deutsch-Kaltenbrunn, Sulzriegel und St. Martin an der Raab hatten sich mehrere Roma auf die Herstellung von kunstvollen Rutensesseln spezialisiert.

Der Korpus des Sessels war aus Holz, die Lehne und die Sitzfläche wurden mit einem weißen Weiderutengeflecht bespannt.

Verkauft wurde, indem die Hersteller mit Sessel beladen von Dorf zu Dorf gingen und ihre Produkte anboten.


Pinsel- und Bürstenbinder

06-4-6-3 2Die Herstellung von bestimmten Pinseln und Bürsten war Frauenarbeit. Bereits zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde dieses "Frauenhandwerk" erwähnt.

Die traditionellen burgenländischen Häuser waren Lehmbauten, deren Fassaden jährlich ausgebessert und gekalkt werden mussten. Dazu brauchte man spezielle Pinsel, die aus Rosshaar und später aus Straußgras hergestellt wurden.

Straußgras (Zwirntippan, roter oder weißer Tippan) war eine wildwachsende Grasart, die getrocknet und zu kleinen Strähnen zusammengeknüpft wurde. Mehrere Strähnen wurden zu Bürsten zusammengefügt. Der Stiel wurde vom Käufer angebracht.
Die Frauen gingen von Haus zu Haus, um ihre Produkte zu verkaufen oder gegen Naturalien einzutauschen.

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