Die Berufe der Frauen

06-4-9 1Roma-Frauen mit speziellen Kenntnissen in der Heilkunst versorgten die Bäuerinnen mit besonderen Heilkräutern. Manchmal waren sie als Heilerinnen nicht nur geschätzt, sondern auch gefürchtet.

Ihre Kenntnisse in der Wahrsagekunst - im Kartenlegen, Handlesen, etc. - hatten, ob man nun daran glaubt oder nicht, eine besondere psychosoziale Bedeutung in der dörflichen Gemeinschaft. 
Bäuerinnen, die ihre Sorgen und Probleme nicht mit jemanden teilen wollten, aus Angst, dass es im Dorf bekannt würde, vertrauten sich in ihren Notlagen oft einer Romni an. Bei ihr waren sie sicher, dass die Probleme nicht zum Dorftratsch werden oder die Kenntnisse sich anderweitig zum Nachteil auswirken konnten.

 

Sammeltätigkeiten

Als Maria Theresia und ihr Sohn Joseph II. Gesetze zur Zwangsansiedelung erließen, mussten die Gemeinden den Roma Grund für den Hausbau zur Verfügung stellen. Bereitstellung von Boden zur Bewirtschaftung war zwar teilweise auch vorgesehen, dies wurde jedoch kaum durchgeführt. Die Siedlungen standen meist in unwegsamen Gelände, das kaum Möglichkeit für die Anlegung eines Küchengartens bot.

06-4-9 2Im Rahmen dieser Ansiedelungspolitik hat man sich keine Gedanken darüber gemacht, wovon die Roma leben sollten, ganz im Gegenteil, man schränkte die wenigen Möglichkeiten - wie Schmiedehandwerk, Pferdehandel, Wanderhandwerk - immer wieder ein.

So waren die Roma gezwungen, neben Hilfstätigkeiten und Gelegenheitsarbeiten, jede mögliche Einnahmensquelle auszuschöpfen. Vor allem das Sammeln von Waldfrüchten, Pilzen und Schnecken, wie auch das Fischen von Flusskrebsen bot eine Möglichkeit, in der warmen Jahreszeit ein wenig Geld zu verdienen. Pilze, Beeren und Schnecken wurden meist an Händler, selten am Markt verkauft.

Manche Frauen wussten über die Heilwirkung bestimmter Pflanzen, Kräuter und tierischer Produkte Bescheid. Das Sammeln und die Weitergabe der Produkte und des Wissens an Nicht-Roma war für die Frauen eine weitere bescheidene Einnahmequelle. Diese Dienste wurden jedoch kaum in Geld, sondern meist in Naturalien abgegolten.

Ein Wirtschaftszweig, den man den Roma überließ, war das Sammeln von Altmaterialien. Alteisen und Alttextilien wurden an Großhändler weiterverkauft, manche Abfallprodukte wurden zu neuen Waren wiederverwertet. So wurden etwa aus alten Autoreifen Fußabstreifer hergestellt.

Im zunehmend feindlichen Klima der 1930er Jahre wurden auch diese Tätigkeiten immer weiter eingeschränkt und erschwert.