Die wirtschaftlichen Tätigkeiten der Lowara bis 1921

06-4-11 1Am Ende des 19. Jahrhunderts wanderten Lowara, die aus dem Gebiet der Karpatoukraine kamen, in den nordburgenländischen Raum. Die Bezeichnung Lowara ist abgeleitet aus dem Ungarischen "Lo", das Pferd bedeutet. Sie waren in Ungarn, in Ost- und Mitteleuropa als Pferdehändler tätig.

Die Familien siedelten in Orten rund um den Neusiedlersee, von wo aus sie den Pferdehandel betrieben. Bis 1921 verkauften sie auch auf den ungarischen Märkten von Zalaegerszeg, Sopron, Moson, Altenburg, Székesfehérvár (Stuhlweißenburg). Nachdem das Burgenland zu Österreich kam (1921), war die österreichisch-ungarische Grenze ein Hindernis, und sie verlegten ihre Tätigkeiten auf Viehmärkte in Wien, Niederösterreich und im Burgenland.

 

06-4-11 2Die restriktiven Gesetze in der Zeit des 1. Weltkrieges und in der Zwischenkriegszeit trafen u.a. die Lowara in ihrer wirtschaftlichen Basis. 1916 wurde veranlasst, dass allen wandernden Roma die Zugtiere und Wagen abgenommen wurden. Pferde, Maultiere und Esel konnten nur mehr mit polizeilicher Genehmigung gekauft und gehalten werden.
In der Zwischenkriegszeit zogen Sinti und Lowara als Wanderhändler und Marktfahrer von Ort zu Ort, wobei sie sich an einen fixen Markt- und Wallfahrtskalender hielten.
Weitere Gesetze in der Zwischenkriegszeit, wie das Verbot des Hausiererhandels, stellten enorme Beeinträchtigtigungen dar.


Die Überlebenden des Holocaust siedelten sich nicht mehr im Burgenland an, sondern bauten sich in Wien Existenzen als Teppichhändler, Altwarenhändler und Marktfahrer auf.

Ceija Stojka stammt aus einer Lowara-Familie. In ihren Publikationen (u.a. "Wir leben im Verborgenen") und im Film "Ceija Stojka" berichtet sie von ihren Kindheitserlebnissen in einer Familie der Fahrenden und von ihren Erinnerungen als Kind in den KZs von Auschwitz, Ravensbrück und Bergen-Belsen.