Bosnien und Herzegowina

Die Zahl der in Bosnien und Herzegowina lebenden Roma wird auf 40.000 bis 80.000 geschätzt. Die größte Konzentration von Roma findet sich im Kanton Tuzla-Podrinje, wobei es sich jedoch bei vielen von ihnen um dislozierte Personen handelt, die aus serbisch regierten Regionen kommen, die heute zur Republika Srpska gehören. Seit 1999 werden Roma in der Region Tuzla auch als Polizeioffiziere eingesetzt. Im Jahr 2003 beschloss die Parlamentsversammlung von Bosnien und Herzegowina ein Gesetz zum Schutz der Rechte von Mitgliedern nationaler Minderheiten. Das Gesetz verbietet die Diskriminierung von Angehörigen von Minderheitengruppen und deren zwangsweise Assimilierung. Es sichert das Recht aller nationalen Minderheiten, ihre ethnische, kulturelle, sprachliche und religiöse Identität zu bewahren. Nationale Minderheiten haben das Recht auf den privaten und auch öffentlichen Gebrauch ihrer Sprache, auf die Schaffung eigener privater Bildungseinrichtungen, auf Bildungsmaterialien in ihrer Sprache und auf muttersprachlichen Unterricht im öffentlichen Bildungssystem. In seiner gegenwärtigen Form gilt dieses Recht jedoch nur für Staatsbürger von Bosnien und Herzegowina. Vor dem Hintergrund der weitverbreiteten Staatenlosigkeit unter den Roma ist dies sehr problematisch. Im Jahre 2001 wurde ein Nationales Beratungsgremium für Romafragen eingerichtet, um die Aktivitäten von Romavertretungen und öffentlichen Stellen zu koordinieren.
Es besteht aus Vertretern aller relevanten Ministerien, den Mitgliedern des Roma-Rates und Vertretern der internationalen Gemeinschaft. Dieses Gremium hat eine beratende Funktion für das Ministerium für Menschenrechte und Flüchtlingsfragen. Der Vorsitzende des Gremiums ist Mitglied des Roma-Rates. Fehlende Personaldokumente behindert viele Roma an der Ausübung ihrer Rechte. Auch die Wiedererlangung von Besitztümern sowie der Zugang zu Förderungen zur Behebung von Kriegsschäden scheitert oft am Fehlen von Besitzurkunden. Vor dem Krieg lebte die Mehrheit der Romabevölkerung - geschätzte 50 bis 70 % - in Siedlungen, die auf öffentlichem Land errichtet worden waren und von den Lokalbehörden nicht offiziell anerkannt wurden. Leider lassen sich diese Romasiedlungen in Grundbüchern und Besitzkatastern kaum nachweisen. Im Jahre 2002 identifizierte eine OSZE Studie ungefähr 100 solcher Siedlungen mit über 22.000 Einwohnern in über 30 Kommunen. Arbeitslosigkeit und Analphabetismus sind unter den bosnischen Roma weit verbreitet. Die meisten Bewohner der nicht registrierten Siedlungen haben kein Besitzrecht für ihre Grundstücke, obwohl sie zum Teil seit vielen Jahrzehnten dort ansässig sind. Die Romabevölkerung dieser nicht registrierten Siedlungen sind oft der Gefahr ausgesetzt, durch Regierungsbeschlüsse umgesiedelt zu werden, um das Land gewinnbringend zu verwerten. In Sarajewo und Mostar haben die Kommunalverwaltungen begonnen, Sozialwohnungen für Bewohner der nicht registrierten Siedlungen zur Verfügung zu stellen. In den letzten Jahren haben zahlreiche europäische Länder begonnen, viele Flüchtlinge - darunter zahlreiche Roma - wieder nach Bosnien umzusiedeln, wo ihre Chancen auf Reintegration aber minimal sind.