Serbien

Die Zahl der in Serbien lebenden Roma wird auf 400.0000 bis 600.000 Personen geschätzt. Im Februar 2002 wurde der Roma-Minderheit in Serbien der Status einer staatlich anerkannten nationalen Minderheit zuerkannt. Viele von ihnen leben in segregierten Ghettos außerhalb der Stadtgrenzen mit nur minimaler Infrastruktur und ohne Zugang zu öffentlichen Diensten. Die Situation der serbischen Roma ist beklagenswert.
Sie sind häufig Opfer von Polizeimisshandlungen sowie Belästigungen, Gewalt und erniedrigender Behandlung durch andere gesellschaftliche Gruppen.
Berichte über körperliche Misshandlungen von Roma im Polizeigewahrsam sind alarmierend häufig. Außerdem gibt es zahlreiche Berichte, wonach die Polizeikräfte in Serbien nur ungenügende Maßnahmen zum Schutz von Roma unternehmen, die Opfer von Gewaltverbrechen werden. In der überwiegenden Mehrzahl der Fälle, in denen es zu rassistischen Angriffen auf Roma kam, haben die zuständigen Behörden keine adäquaten Untersuchungen gegen die Täter eingeleitet. In Serbien sehen sich Romakinder im Bereich des Bildungszuganges einer Reihe von Hürden gegenüber. In einigen Fällen haben es Schulen abgelehnt, Romakinder aufzunehmen mit der Begründung, dass sie über keine adäquaten Serbischkenntnisse verfügten. Romakinder werden stattdessen häufig in separaten Klassen untergebracht oder in Sonderschulen für geistig behinderte Kinder eingewiesen. Lehrer und Schulbehörden reagieren auf rassistische Beleidigungen gegen Romakinder kaum in angebrachter Weise.
Außerdem befindet sich eine größere Anzahl von Romakindern, vor allem aus Familien, die vor ethnischen Säuberungen und Gewalttaten aus dem Kosovo geflohen sind, nachgewiesenermaßen überhaupt nicht in der Schule – wobei der Schuleintritt meist an fehlenden Personaldokumenten scheitert. Roma in Serbien werden häufig Opfer von Zwangsräumungen ihrer Behausungen. Es wird allgemein befürchtet, dass solche Zwangsräumungen in Zukunft – vor allem in Belgrad – noch zunehmen könnten, besonders in den zahlreichen informell von Romaflüchtlingen errichteten Siedlungen aus dem Kosovo. Viele Romasiedlungen und ihre Gebäude wurden ohne behördliche Genehmigung errichtet und verfügen weder über fließendes Wasser noch über Strom. Die schlechten Wohnbedingungen und das Fehlen von sauberem Trinkwasser haben in mehreren Romasiedlungen Serbiens bereits zu Krankheiten geführt. Im Jahre 2002 wurden im Hinblick auf die Situation der Roma in Serbien entscheidende Entwicklungen eingeleitet, als eine aus nationalen und internationalen Experten besetzte Kommission – eingesetzt durch das Bundesministerium für Nationale und Ethnische Minderheiten – einen Entwurf für eine Strategie zur Integration und Stärkung der Roma in Serbien vorlegte.



 

Roma im Kosovo: eine Tragödie der Gleichgültigkeit

Kaum ein Ereignis der jüngsten Zeit hat die völlige Schutzlosigkeit und Isolation der in Europa lebenden Roma-Bevölkerung so deutlich zum Ausdruck gebracht wie der Kosovo-Krieg. Symptomatisch dafür sind nicht nur die Verfolgung und Vertreibung, die die Roma im Laufe des Krieges durch beide Bürgerkriegsparteien erleiden mussten, sondern auch die beharrliche Weigerung der Öffentlichkeit, die Roma als Opfer dieses Krieges zur Kenntnis zu nehmen. Während sich unzählige Medienberichte seit Beginn des Krieges mit dem ethnischen Konflikt zwischen Serben und Albanern befassen, blieb das Schicksal der Roma im Kosovo bis heute weitgehend ausgespart. Schätzungen des UNHCR (UNO-Flüchtlingshochkommissariat) zufolge sind seit dem Ausbruch des Kosovo-Konflikts mehr als 50.000 Roma aus ihrer Heimat bzw. ihren unmittelbaren Heimatgemeinden vertrieben worden; das entspricht in etwa 60 Prozent der im Kosovo ansässigen Roma. Die erste Flüchtlingswelle setzte unmittelbar vor Beginn der NATO-Luftangriffe gegen Jugoslawien ein, als paramilitärische Einheiten der Serben begannen, Roma zwangsweise für ihre Einsätze gegen die albanische Volksgruppe zu rekrutieren. Roma, die den Einberufungsbefehlen nicht Folge leisteten, wurden getötet, vertrieben oder als menschliche Zielscheiben zum Schutz militärischer Anlagen verwendet. Nach Beendigung der militärischen Auseinandersetzung wurden die im Land verbliebenen Roma Opfer von Racheakten der zurückkehrenden Kosovo-Albaner, die sie der Kollaboration mit den Serben bezichtigten. Die internationale Menschenrechtsorganisation "Human Rights Watch" hat zahlreiche Übergriffe gegen Roma seitens der Albaner dokumentiert, die von Brandschatzungen und Folterungen bis zu Morden reichen. Als Folge dieser Gewaltakte flüchteten abermals Tausende Roma aus dem Kosovo, nur um feststellen zu müssen, dass sie weder in den Flüchtlingslagern der Nachbarländer Mazedonien und Montenegro noch in Serbien willkommen waren. Sie sind Flüchtlinge zweiter Klasse. Während der Großteil der geflüchteten Serben und Albaner nach Beendigung des Krieges unter dem Schutz der internationalen Organisationen in den Kosovo zurückkehren konnte bzw. in Serbien Aufnahme gefunden hat, scheint es für das Flüchtlingsproblem der Roma keine Lösung zu geben. Die Zurückweisung der Roma-Flüchtlinge seitens der serbischen Regierung und der europäischen Staaten zeigt, dass für Roma die internationale Flüchtlingskonvention nicht zu gelten scheint. Da sich die internationalen Organisationen zudem außer Stande sehen, die Sicherheit der Roma in den Flüchtlingslagern zu gewährleisten - es gab nachweislich zahlreiche Übergriffe gegen Roma, zum Beispiel im mazedonischen Flüchtlingslager Stenkovac - sind Tausende Roma gezwungen, ohne Schutz im Niemandsland an den Grenzen des Kosovo zu leben. Viele von ihnen haben keine festen Unterkünfte und leben unter Brücken oder in provisorischen Behausungen.