Italien

Wahrscheinlich sind bereits um 1300 Roma aus Griechenland nach Süditalien gelangt. Die Beschreibung einer Roma-Gruppe in der "Chronik von Bologna" 1422 ist das älteste Dokument ihrer Anwesenheit in Italien. Da die italienischen Staaten bis zu ihrer Vereinigung von Frankreich, Spanien und Österreich beherrscht wurden, wurden die Roma auch nach den Gesetzen der jeweiligen Herrschermächte behandelt. Die Vertreibung begann bereits 1488 in Bologna. Immer wieder wurden Gesetze gegen Roma erlassen, sie wurden zur Zwangsarbeit auf Galeeren gezwungen, 1693 durften Roma in Süditalien und Mailand ungestraft getötet werden.

Ende des 19. Jahrhunderts wanderten rumänische Roma, Anfang des 20. Jahrhunderts deutsche Sinti ein.

Während des Faschismus wurden Roma und Sinti zwar nicht offiziell aus "rassischen Motiven" verfolgt, sondern aus so genannten "Sicherheitsgründen" ab 1938 in Konzentrationslager deportiert, in denen etwa 1.000 Roma zu Tode kamen. 
Nach dem 2. Weltkrieg immigrierten Lowara aus Polen nach Italien. In den 1960er und 1970er Jahren kam es zu einer Einwanderungswelle von Xoraxane-, Kanjarja- und Rudari-Roma aus Jugoslawien.

 

Genaue Daten über die aktuelle Zahl von derzeit in Italien lebenden Roma sind nicht verfügbar. In den italienischen Regionen Abruzzo und Molise sind Roma seit dem 15. Jahrhundert ansässig. Ihre gegenwärtige Zahl wird von offizieller Seite mit 130.000 Personen angegeben. Andere Schätzungen sprechen von 90.000 bis 110.000 Roma, von denen 60.000 bis 90.000 italienische Staasbürgerschaft besitzen und rund 45.000 bis 70.000 außerhalb von Italien geboren wurden, oder in Italien, aber als Kinder ausländischer Staatsbürger – letztere hauptsächlich aus Osteuropa und speziell aus Gebieten des ehemaligen Jugoslawien. 



 

Roma sind nicht als Minderheit anerkannt.

Im Jahre 1999 konnte eine im italienischen Abgeordnetenhaus diskutierte Gesetzesvorlage über den Schutz von Sprachminderheiten erst verabschiedet werden, nachdem alle Hinweise auf Roma – und damit auf den gesetzlichen Schutz der Romani-Sprache und Kultur – gestrichen worden waren. Abgesehen von einigen Novellen des Strafrechtes aus dem Jahre
1993 gibt es in Italien keinerlei Anti-Diskriminierungsgesetzgebung, um rassistischer oder ethnischer Diskriminierung entgegenzuwirken. Die meisten Roma leben in autorisierten oder nicht-autorisierten Camps, völlig separiert von der sie umgebenden Gesellschaft. Versuche italienischer Roma, sich irgendwo anzusiedeln und eine sesshafte Lebensweise zu führen, werden in den meisten Fällen von Lokalbehörden und Nachbarn vereitelt. Im Jahre 1996 verurteilte das Komitee der Vereinten Nationen zur Beseitigung von rassistischer Diskriminierung (CERD) die Behandlung der Roma in Italien. Als besorgniserregend nannte das Komitee besonders "die Situation vieler Roma, die ohne Zugang zu öffentlichen Wohnungsprojekten in Camps außerhalb der italienischen Großstädte leben" und stellte fest, dass "zusätzlich zu der meist fehlenden grundlegenden Infrastruktur die Unterbringung von Roma in solchen Camps nicht nur zu einer physischen Segregation der Roma von der italienischen Gesellschaft führt, sondern auch zu einer politischen, ökonomischen und kulturellen Isolation."

In den späten 1980er und frühen 1990er Jahren verabschiedeten zehn der zwanzig italienischen Regionen Regionalgesetze "zum Schutze nomadischer Kulturen" durch Schaffung von segregierten Camps, wodurch die Roma von den italienischen Gesellschaft isoliert wurden. Diese Camps variieren größenordnungsmäßig von mehreren Dutzenden Personen bis zu über fünfzehnhundert Personen, wie zum Beispiel das riesige Camp Casilino 700 in Rom. Die meisten dieser autorisierten Camps sind von Mauern oder Zäunen umgeben.

In vielen Fällen werden diese autorisierten Camps durch ein Regime von Bewachern zu Orten mit streng reglementiertem Zugang, wodurch sowohl für die dort lebenden Roma als auch für Besucher das Recht auf Bewegungsfreiheit verletzt wird. Berichte über Polizeirazzien, Vertreibungen, Folterungen und physische Misshandlungen sind häufig. Obwohl die italienischen Schulgesetze allen auf dem Gebiet Italiens lebenden Personen den vollen Zugang zu den verschiedenen Typen und Ebenen von Bildungseinrichtungen garantiert – selbst wenn sie nicht italienische Staatsbürger sind – , ist eine große Anzahl von Romakindern vom Zugang zu Bildungseinrichtungen faktisch ausgeschlossen. Einige Lokalbehörden haben in der Vergangenheit versucht, die Verantwortung für den Unterricht von Romakindern auf nicht-staatliche Organisationen abzuschieben, in denen Kinder nicht durch professionelle, geprüfte Lehrkräfte unterrichtet und daher auch keine offiziell anerkannten Zeugnisse erhalten würden. Dadurch wäre ihnen in der Folge der Zugang zu Bildungseinrichtungen der Sekundarstufe unmöglich.

Durch den Sieg Berlusconis bei den Wahl, einer seiner Wahlkampfparolen war „keine Toleranz für Roma, Illegale und Kriminelle“, ermöglichte er der faschistischen Partei „Lega Nord“ eine Regierungsbeteiligung. Der neue Innenminister der Lage Nord setzte eine Notstandsverordnung durch, welche den Behörden erlaubte das Lager campi nomadi zu durchsuchen und von allen Bewohnern Fingerabdrücke zunehmen. 

Mediale Kampagnen gegen Roma fordern Anschläge und Anfeindungen gegen Roma, wie z.B. Silvester 2010 wurde ein Brandanschlag auf eine Siedlung von 100 rumänischer Roma verübt.

Alte Siedlungen werden oft von den Behörden medienwirksam zerstört, um den Roma neue Siedlungen zur Verfügung zu stellen, dieser werden aber nicht errichtet. Dies führt zu einer Umsiedlung in andere heruntergekommene Siedlungen. In Rom brach in so einer Siedlung am 7. Februar 2011 Feuer aus, vier Kinder einer Familie starben. Der Bürgermeister von Rom wusste um die menschen unwürdigen Zustand in der Siedlung bescheid und wird jetzt vor Gericht wegen fahrlässiger Tötung sich verantworten müssen.