Spanien

Die Calé sind wahrscheinlich ab dem 15. Jahrhundert über Nordafrika auf die Iberische Halbinsel gekommen. 
Einzelne Gruppen dürften auch über den Landweg, also über Frankreich eingewandert sein. Seit dem 15. Jahrhundert leben Roma in Spanien und haben viele Versuche der zwangsweisen Vertreibung, repressiven Kontrolle und gewaltsamen Assimilierung durchgemacht. Im 20. Jahrhundert begann unter der Diktatur von Franco ein erneutes Martyrium für die Roma. Im 2. Weltkrieg wurden Tausende ermordet.

Seit 1978 gelten die Calé in Spanien als gleichberechtigte Staatsbürger, es haben jedoch mehrmals Zwangsumsiedlungen stattgefunden. An die 500.000 Menschen leben in Elendsquartieren am Rand der Städte, sie haben kaum Anspruch auf Sozialhilfe. Bis heute sind sie den Übergriffen der Spolizei (Guardia Civil) und einem permanenten Rassismus ausgesetzt.

Fast die Hälfte der spanischen Roma lebt in der Region Andalusien, im Süden des Landes. Große Romagemeinden finden sich auch in Madrid, Valencia und Katalonien. Außerdem gibt es eine unbekannte Anzahl portugiesischer Roma (Ciganos) und eine kleine Gruppe osteuropäischer Roma (rund 3.000, hauptsächlich aus Rumänien), wobei ein Großteil der letzteren Gruppe erst vor wenigen Jahren zugewandert sein dürfte. Die spanische Verfassung des Jahres 1978 erkennt Minderheiten nur auf rein territorialer Basis (im Baskenland, Katalonien, Galizien, etc.) an, während sie Gruppen ohne territoriale Bindung, wie die Roma, ignoriert. Die Romabevölkerung ist verhältnismäßig jung, etwa die Hälfte ist jünger als 16 Jahre, und die Geburtenrate der spanischen Roma liegt wesentlich über dem Landesdurchschnitt. Die spanischen Roma stellen eine heterogene und vielfältige Bevölkerungsgruppe dar. Die kulturellen Unterschiede unter den Romagruppen beruhen auf regionalen Verschiedenheiten sowie auf verschiedenen historischen und kulturellen Faktoren. Zur Zeit durchleben sie eine Phase bedeutender Veränderungen. Noch vor einigen Generationen lebte die Mehrzahl von ihnen in ländlichen Gebieten und Kleinstädten, doch während der letzten Jahrzehnte zog die Mehrzahl von ihnen in urbane Zentren. Einerseits gibt es unter den spanischen Roma einen relativ kleinen Mittelstand bzw. gehobenen Mittelstand, bestehend aus Akademikern, Künstlern, Handwerkern und kleinen Geschäftsleuten. Andererseits
lebt ein bedeutender Anteil der spanischen Roma in extremer Armut.
Im Jahre 1985 initiierte die spanische Regierung ein Nationales Entwicklungsprogramm für Roma (Plan Nacional de Desarrollo Gitano), und im Jahre 1989 stellte der spanische Staatshaushalt für das Romaprogramm erstmals spezielle Geldmittel in der Höhe von 3 Millionen Euro bereit.
Diese zentralstaatlichen Mittel müssen durch Kofinanzierungen von regionalen und lokalen Verwaltungskörperschaften ergänzt werden. 1990 wurde eine "Beratungskommission" (Comisión Consultativa) aus Vertretern verschiedener nationaler Romaorganisationen gegründet. Sinn und Zweck dieser Kommission ist es, für die Implementierung des staatlichen Programms eine enge Kooperation zwischen öffentlichen Bediensteten und dem nichtstaatlichen Roma-Sektor herzustellen. Im Jahre 1993 schlossen sich auch mehrere regionale Romavereinigungen der Kommission an.
Seit 1995 wurden jährlich durchschnittlich 100 Projekte durchgeführt. Das Projekt wird von mehr als 500 Beschäftigten betreut, von denen rund 22% selbst Roma sind. Pro Jahr profitieren rund 50.000 Personen in rund 12.000 Familien direkt von diesem Programm. Im Jahre 1999 wurde eine neue parlamentarische Kommission mit dem Ziel eingesetzt, "das Romaproblem zu studieren". Diese Tatsache allein unterstreicht bereits die ungebrochene
Entschlossenheit der spanischen Behörden, eine ernsthafte und offenen Debatte auf höchster Ebene zu führen.

 

Finanzierung von ACCEDER

Acceder ist ein im Jahr 1998 gegründetes Roma-Beschäftigungsprogramm; mittlerweile gibt es in Spanien 48 Beschäftigungsbüros, die verschiedene Dienstleistungen anbieten. Der Arbeitsuchende wird von Roma-Beratern nach seinem Können befragt, danach werden individuelle Profile erstellt, die Beschäftigungsaussichten oder der Ausbildungsbedarf werden ermittelt. Bis Mai 2009 wurden 35.000 Menschen durch Weiterbildungen oder Arbeitsplatzvermittlung geholfen. 25.000 davon fanden einen Job im Dienstleistungssektor. Seit 2006 wird den Klienten auch bei der Gründung eines Unternehmens geholfen. Durch die erfolgreiche Arbeit wurde die Zielgruppe nun erweitert und spricht auch Immigranten an. Der größte Teil der Klienten, der unterstützt werden konnte waren Frauen, da innerhalb des Programms auch gleichzeitig ein Aktionsprogramm gegen Diskriminierung stattfand.