Gründung der ersten Vereine und Organisationen

 

Ein großes Problem der Roma-Gruppen war immer, dass sie nicht gemeinsam aufgetreten sind. So hatte es die Mehrheitsbevölkerung immer mit relativ kleinen Gruppen zu tun. Diese konnten leichter unterdrückt werden.

Einen ersten Versuch zur internationalen Vereinigung gab es 1878. Damals lud Josef Reinhardt einige Roma aus Italien, Spanien und Russland in die Nähe von Stuttgart, um über die Bildung einer Organisation zu beraten, die die Interessen der Roma gegenüber einzelnen Staaten vertreten sollte. Als das jedoch bekannt wurde, untersagten deutsche Regierungsstellen dieses Treffen (...).
Wenig später, im September 1879, trafen sich Roma in dem ungarischen Dorf Kisfal, doch die damalige Regierung Österreich-Ungarns ließ auch diesen Versuch zur Sammlung der Roma scheitern.
Ende der 1920er Jahre wurde eine Vielzahl von Vereinen in der Sowjetunion gegründet. Anfang der dreißiger Jahre wurden in Rumänien Organisationen ins Leben gerufen, die eine breite Basis und ein ausführlicheres Programm hatten. Mit dem Aufkommen des Faschismus in Rumänien wurden sämtliche Vereine verboten.

Auch in vielen anderen Ländern gab es ähnliche Bestrebungen, die durch den Vernichtungsfeldzug der Nationalsozialisten und durch die ablehnende Haltung der Mehrheitsbevölkerung nach dem Krieg für lange Zeit unterdrückt wurden. In Ungarn wurde 1958 der Bund der Roma gegründet, andere europäische Länder folgten nach: Spanien, Finnland, Schweden, Frankreich, Deutschland.

Die Internationale Organisation der Roma wurde 1971 in London gegründet. Ziel ist das Streben nach "nationaler Einheit" sowie der gemeinsame Kampf gegen Rassismus und Diskriminierung. Das Lied Djelem, Djelem wurde zur Nationalhymne der Roma erklärt, eine Fahne wurde entworfen und der 1. Kongresstag, der 8. April zum "Internationalen Tag der Roma" erklärt. Yul Brunner, ein bekannter Filmschauspieler, wurde zum Ehrenvorsitzenden ernannt.

Nachfolgend wurde die Internationale Romani Union gegründet, die weltweit Roma in internationalen Körperschaften repräsentieren soll und von den Vereinten Nationen anerkannt ist.

Quelle: Rajko Djuric: Zigeuner des Lexikons, Versuche der Sammlung, Organisationen, 1999: Von Veranstalter gekürzte Fassung


Die Fahne der Roma

Das obere, blaue Feld zeigt den Himmel, das untere, grüne Feld das Gras, Symbol des Lebens. In der Mitte befindet sich ein Rad mit 16 Speichen, Symbol der Herkunft und der Lebensweise der Roma.