Verehrung von Sarah

 

Es gibt zwei Legenden über die Verehrung der Sarah:

Die Mütter der Apostel Jakobus und Johannes sind mit einigen anderen Christen nach dem Tode von Jesus auf einem Schiff ohne Ruder und Segel auf offenem Meer ausgesetzt worden. Sie hatten weder Wasser noch Nahrungsmittel. Kurz bevor das Schiff ablegte, bat auch die ägyptische Dienerin Sarah mit ihren beiden Herrinnen Maria Jakobäa und Maria Salomäa mitkommen zu dürfen, um mit ihnen zu sterben. Das Schiff trieb jedoch wie von unsichtbarer Hand gelenkt über das Meer und landete an der Stelle, an der heute Saintes-Maries des la Mer liegt. Sarah wurde getauft und half mit die christliche Gemeinde aufzubauen.

Quelle: Institut für Kulturanthropologie und Europäische Ethnologie der Johann Wolfgang Goethe-Universität: Zigeuner und wir. Frankfurt/Main, 1979

Prozession mit der Statue der Sarah zum Meer

Die zweite Legende wird hauptsächlich von den Roma erzählt: "Eine der Unseren, der als erste die Offenbarung zuteil wurde, ist Sarah-Kâli gewesen. Sie stammte aus edler Familie und stand an der Spitze ihres Stammes am Ufer der Rhône. Sie kannte alle Geheimnisse, die ihr übermittelt worden waren. In der Nähe der Rhône bearbeiteten die Stämme die Metalle und handelten mit diesen. Die Roma besaßen zu dieser Zeit eine polytheistische Religion, und einmal im Jahr nahmen sie die Statue der Ishtari (Astarte) auf die Schultern und wateten mit ihr durch das Meer, damit sie es segne. Eines Tages hatte Sarah Visionen, die sie davon in Kenntnis setzten, dass die heiligen Frauen, die bei Christi Tod anwesend gewesen waren, eintreffen würden und sie ihnen behilflich sein müsse. Sarah sah sie in einer Barke kommen. Das Meer ging hoch, und die Barke drohte zu kentern. Sarah warf ihr Gewand über die Wogen, bestieg es wie ein Floß, trieb so bis zu den Heiligen und half ihnen das Land zu erreichen. Die Heiligen tauften Sarah und predigten unter den Gadsche und unter den Rom das Evangelium."

(Quelle: Clébert, 1967, 157)

Die katholische Kirche hatte ein zwiespältiges Verhältnis zu den Roma.
Die Roma und die katholische Kirche