Niederlande und Belgien

 

In den Niederlanden leben heute ca. 40.000.

1420 werden Roma in niederländischen Chroniken erstmals erwähnt. Alsbald wurden die Roma in den nördlichen Landesteilen verfolgt, während sie im Süden noch geduldet waren. Als die Roma in Holland auftauchten, verglich man sie mit "hussitischen Ketzern".
(Djurić, 1996, S. 250).

Nur mehr ein kleiner Teil der Roma Bevölkerung – 2.700 Familien – lebt in Wohnwägen . Der Zustrom von Arbeitsmigranten aus Süd- und Osteuropa brachte in den 1960er Jahren neue Romagruppen in die Niederlande. Als im Jahre 1968 das Recht mit dem Wohnwagen ein Nachtlager aufzuschlagen auf einige wenige, regional verteilte Standplätze beschränkt wurde, wurde damit die Mobilität der niederländischen Romagruppen schwer eingeschränkt. Diese zentralen Standplätze wurden später in kleinere Standplätze mit maximal 15 Wohnwägen umgewandelt. Viele niederländische Roma haben seither das Reisen aufgegeben und leben nun in Containern auf diesen Standplätzen, von denen einige eigene Schulen, Sozialarbeiter und andere öffentliche Einrichtungen haben. Wie die belgischen Roma sind auch die niederländischen Roma religiös in eine katholische Gruppe und in Anhänger der Pfingstlergemeinde gespalten.
(Quelle: Gerhard Baumgartner, Florian Freund: Roma-Politik in Österreich, in der EU und im übrigen Europa
Hg: Kulturverein Österreichischer Roma, Fraktion der Sozialdemokratischen Partei Europas im Europäischen Parlament)

 

Belgien

Die geschätzte Zahl belgischer Roma liegt zwischen 10.000 und 15.000 Personen, von denen ein Drittel in und um Brüssel lebt.
Die ersten Roma wanderten im Jahre 1419 ein.
In Belgien waren die Roma stets mehr oder weniger unwillkommene Gäste.
1931 sollten alle Roma aus Belgien vertrieben werden, da sie generell als Nomaden angesehen wurden, und weil es ein Verbot des Aufenthalts für Nomaden auf belgischem Territorium gab.
"Ab 1933 führte die Polizei strenge Kontrollen ein und registrierte die gesamte Habe der Roma. Sie erhielten einen so genannten Reisepass, der für drei Monate galt.
Im Dezember 1941 wurde beschlossen, dass die "Zigeuner heimatlos sind", was im Ausweis vermerkt wurde."
(Djurić, 1996, S. 250).
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Das Hauptproblem von rund 3.000 belgischen Roma ist die ungeklärte Frage ihrer Staatsangehörigkeit. Nur rund 30% der belgischen Roma leben noch in Wohnwägen, und die Tendenz zur Sesshaftigkeit ist im Zunehmen. Viele Familien arbeiten noch in den Traditionsberufen als Altmetall- und Altwarenhändler. In den 1960er und 1970er Jahren erließen die belgischen Behörden eine Reihe von Vorschriften, die es den Roma und Sinti so gut wie unmöglich machte, ihre nichtsesshafte Lebensweise weiter aufrecht zu erhalten, und viele Roma, Sinti und andere Fahrende waren gezwungen sich auf meist illegalen Lagerplätzen niederzulassen. Obwohl sich die belgische Regierung 1981 entschloss, eine finanzielle Unterstützung für jene Gemeinden bereitzustellen, die fixe Lagerplätze einrichteten, waren viele Kommunalverwaltungen nicht gewillt dies zu tun. Seit Teile der traditionell katholischen Romabevölkerung zu protestantischen Pfingstlergemeinden konvertierten, sind die belgischen Roma in zwei religiöse Gruppen gespalten. Im Jahre 1999 hat Belgien 74
Roma Asylwerber aus der Slowakei kollektiv ausgewiesen. Diese Ausweisung wurde vom Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte im Jahre 2002 für illegal erklärt. Dies war das erste Mal, dass der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte im Falle von Romaflüchtlingen ein westliches Land für schuldig befand, die Flüchtlingskonvention gebrochen zu haben.
(Quelle: Gerhard Baumgartner, Florian Freund: Roma-Politik in Österreich, in der EU und im übrigen Europa
Hg: Kulturverein Österreichischer Roma, Fraktion der Sozialdemokratischen Partei Europas im Europäischen Parlament)