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Roma im Kosovo: eine Tragödie der Gleichgültigkeit Kaum ein Ereignis der jüngsten Zeit hat die völlige Schutzlosigkeit und Isolation der in Europa lebenden Roma-Bevölkerung so deutlich zum Ausdruck gebracht wie der Kosovo-Krieg. Symptomatisch dafür sind nicht nur die Verfolgung und Vertreibung, die die Roma im Laufe des Krieges durch beide Bürgerkriegsparteien erleiden mussten, sondern auch die beharrliche Weigerung der Öffentlichkeit, die Roma als Opfer dieses Krieges zur Kenntnis zu nehmen. Während sich unzählige Medienberichte seit Beginn des Krieges mit dem ethnischen Konflikt zwischen Serben und Albanern befassen, blieb das Schicksal der Roma im Kosovo bis heute weitgehend ausgespart. Schätzungen des UNHCR (UNO-Flüchtlingshochkommissariat) zufolge sind seit dem Ausbruch des Kosovo-Konflikts mehr als 50.000 Roma aus ihrer Heimat bzw. ihren unmittelbaren Heimatgemeinden vertrieben worden, das entspricht in etwa 60 Prozent der im Kosovo ansässigen Roma. Die erste Flüchtlingswelle setzte unmittelbar vor Beginn der NATO-Luftangriffe gegen Jugoslawien ein, als paramilitärische Einheiten der Serben begannen, Roma zwangsweise für ihre Einsätze gegen die albanische Volksgruppe zu rekrutieren. Roma, die den Einberufungsbefehlen nicht Folge leisteten, wurden getötet, vertrieben oder als menschliche Zielscheiben zum Schutz militärischer Anlagen verwendet. Nach Beendigung der militärischen Auseinandersetzung wurden die im Land verbliebenen Roma Opfer von Racheakten der zurückkehrenden Kosovo-Albaner, die sie der Kollaboration mit den Serben bezichtigten. Die internationale Menschenrechtsorganisation "Human Rights Watch" hat zahlreiche Übergriffe gegen Roma seitens der Albaner dokumentiert, die von Brandschatzungen und Folterungen bis zu Morden reichen. Als Folge dieser Gewaltakte flüchteten abermals Tausende Roma aus dem Kosovo, nur um feststellen zu müssen, dass sie weder in den Flüchtlingslagern der Nachbarländer Mazedonien und Montenegro noch in Serbien willkommen waren. Sie sind Flüchtlinge zweiter Klasse. Während der Großteil der geflüchteten Serben und Albaner nach Beendigung des Krieges unter dem Schutz der internationalen Organisationen in den Kosovo zurückkehren konnte bzw. in Serbien Aufnahme gefunden hat, scheint es für das Flüchtlingsproblem der Roma keine Lösung zu geben. Die Zurückweisung der Roma-Flüchtlinge seitens der serbischen Regierung und der europäischen Staaten zeigt, dass für Roma die internationale Flüchtlingskonvention nicht zu gelten scheint. Da sich die internationalen Organisationen zudem außer Stande sehen, die Sicherheit der Roma in den Flüchtlingslagern zu gewährleisten - es gab nachweislich zahlreiche Übergriffe gegen Roma, zum Beispiel im mazedonischen Flüchtlingslager Stenkovac - sind Tausende Roma gezwungen, ohne Schutz im Niemandsland an den Grenzen des Kosovo zu leben. Viele von ihnen haben keine festen Unterkünfte und leben unter Brücken oder in provisorischen Behausungen. |