Zur sozialen Situation der Roma nach 1945

Von den rund 8000 burgenländischen Roma überlebten nur etwa 600-700 den Holocaust. Die meisten kehrten nach Kriegsende wieder in ihre vormaligen Heimatorte zurück. Ihre Häuser fanden sie nicht mehr vor, da die "Zigeuner-Siedlungen" nach der Deportation ihrer Bewohner dem Erdboden gleichgemacht worden waren. Teilweise befanden sich schon andere Bauten auf den jeweiligen Grundstücken. Nur widerwillig stellten die Gemeinden den Heimkehrern notdürftige Unterkünfte in Baracken, Wellblechhütten und dergleichen zur Verfügung.

Später wurden ihnen winzige Behausungen, vielfach ohne Strom- oder Wasseranschluss, errichtet. Wie vor 1938 lagen diese Bauten außerhalb der Ortschaften. Im Bedarfsfall, etwa im Zuge von Ortsausdehnungen oder anderen Bauprojekten, wie beispielsweise dem Krankenhaus-Neubau in Oberwart, wurden die Roma einfach umgesiedelt.

Die geografische Ausgrenzung kam in jeder Hinsicht einer gesellschaftlichen gleich. Dass die Mehrheitsgesellschaft die Roma nur in deren Siedlungen duldete, zeigen u.a. jene Fälle, in denen man verhinderte, dass Roma Häuser innerhalb der Dörfer erwerben konnten. 

Neben ihrer Ghettoisierung, die eine Integration von vornherein unmöglich machte, bestimmte vor allem die hohe Arbeitslosenrate die soziale Situation der Roma. Zahlreiche Familien lebten am Rande des Existenzminimums.


Gründe für die schlechte soziale Lage

Fehlende berufliche Qualifikationen und die Bevorzugung von Nichtroma, machte es für die Roma schwer, Arbeit zu finden. Also versuchten viele mit der Sozialhilfe und/oder Einkünften aus Gelegenheitsarbeiten auszukommen. Eine Strategie, die sich auf lange Sicht als fatal erwies, da sie jeden sozialen Aufstieg unterband und negativen Urteilen auf Seiten der Nichtroma weiter Vorschub leistete.Verantwortlich für die Benachteiligung der Roma am Arbeitsmarkt war ihre ungenügende Schulbildung. Angehörige der älteren Generation waren, weil unter nationalsozialistischer Herrschaft vom Schulbesuch ausgeschlossen, Analphabeten geblieben. Die nach 1945 Geborenen besuchten zwar eine Schule, wiesen aber dennoch ein stark unterdurchschnittliches Bildungsniveau auf. Ein hoher Prozentsatz von Roma-Kindern besuchte mangels entsprechender Förderung bzw. Unterstützung die Sonderschule.Obwohl die Lebensumstände der Roma also dramatischer nicht sein konnten, schien sich bis vor wenigen Jahren kaum jemand dafür zu interessieren. Verhängnisvollerweise wurden die Diskriminierung der Roma und ihre Abdrängung an den äußersten Rand der Gesellschaft auch von PolitikerInnen und zuständigen Behörden jahrzehntelang völlig ignoriert oder bagatellisiert.


Beschäftigungssituation der Roma im Burgenland

Die Beschäftigungssituation der Roma ist extrem ungünstig. Mangels entsprechender Untersuchungen liegen keine Daten für das Burgenland vor. Tätigkeitsberichte der Beratungsstelle und eine in der Oberwarter Siedlung durchgeführte Erhebung geben jedoch einen Einblick in die Beschäftigungsmisere: Von jenen Personen, die 1995/96 die Beratungsstelle in Oberwart aufsuchten, standen nur 14% in einem ordentlichen Dienstverhältnis. Die im Jahr 1995 erstellte Studie ergab, dass nur 15% der Siedlungsbewohner über einen festen Arbeitsplatz verfügten. Besonders auffällig war der minimale Prozentsatz der erwerbstätigen Frauen, der deutlich unter der 5%-Marke lag. Bezeichnend scheint die Tatsache zu sein, dass jene Roma, die in einem Arbeitsverhältnis standen, fast ausschließlich Tätigkeiten als ungelernte Hilfskräfte oder angelernte Arbeiter ausführten.

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Gründe für die hohe Arbeitslosigkeit

Die Gründe für die hohe Arbeitslosigkeit unter den Roma sind vielschichtig. Ein wesentlicher Faktor ist deren ungenügende Bildung bzw. Ausbildung. 1995/96 verfügten nicht einmal 40% der Arbeitssuchenden über einen Volksschul-, nur 25% über einen Hauptschulabschluss. Keine einzige der betreuten Personen hatte eine Lehre absolviert. Bestehende Vorurteile stellen ein schwerwiegendes Hindernis bei der Jobsuche dar. Es gibt noch immer Firmen, die die Beschäftigung von "Zigeunern" ablehnen. Und wenn Roma einen Arbeitsplatz gefunden haben, werden sie nicht selten von ihren Arbeitskollegen mit Vorurteilen konfrontiert. Letztlich muss die signifikant hohe Arbeitslosenrate unter den Roma wohl auch auf eine verfehlte Sozialpolitik zurückgeführt werden: Anstatt sie durch besondere Maßnahmen in den Arbeitsprozess zu integrieren, machte man sie systematisch zu Sozialhilfeempfängern.


Die Wohnsituation der burgenländischen Roma

Ein großer Teil der Burgenland-Roma lebt nach wie vor in eigenen Siedlungen am Rande der Dörfer. Neben der daraus resultierenden sozialen Isolation entstehen Probleme vielfach aus dem schlechten baulichen Zustand ihrer Häuser und dem Mangel an Wohnraum. Ein Beispiel dafür ist die Oberwarter Roma Siedlung.


Die Oberwarter Roma Siedlung

01-8-5 1Die Oberwarter Roma-Siedlung, die aus zwei Reihenhäusern mit je sechs Wohneinheiten und sieben Einfamilienhäusern besteht, wurde 1995 von 120 Personen bewohnt. Dies bedeutete, dass sich fünf oder mehr, in einem Fall sogar zehn Personen, einen Wohnraum von 40 bzw. 55 m² teilen mussten. Die durchschnittlich pro Person zur Verfügung stehende Wohnnutzfläche betrug 8,74 m², also gerade ein Viertel des österreichweiten Durchschnittswertes von 33 m². In einem damals verfassten Architektenbericht hieß es: „Die Wohnsituation (der Roma) kann nur mit städtischen Untermietsverhältnissen zur Jahrhundertwende bzw. während des 19. Jahrhunderts verglichen werden.“ Alarmierend war auch die Feststellung: „Wären die Roma Ausländer, müssten sie um ihre Aufenthaltsgenehmigung bangen, da sie die im Gesetz vorgeschriebene Mindestwohnfläche pro Person nicht nachweisen können.“ Der sichtlich betroffene Bundeskanzler Vranitzky sprach 1995 in bezug auf den Wohnstandard der Oberwarter Roma von Verhältnissen, die es am Ende des 20. Jahrhunderts nicht mehr gebe dürfe.

Wohnungen außerhalb der Siedlungen sind für Roma aufgrund ihrer Einkommensverhältnisse vielfach nicht erschwinglich. Daneben erschweren bestehende Vorurteile die Wohnungssuche. Es ist eine Tatsache, dass Wohnungen bzw. Häuser im Burgenland an Roma gar nicht oder nur höchst ungern vergeben werden. Auch lehnen viele Nichtroma Roma als Nachbarn ab. So kommt es immer wieder zu Protestaktionen. Vor nicht allzu langer Zeit verliehen einige Bewohner der Oberwarter Andreas-Hofer-Siedlung ihrem Unmut Ausdruck, indem sie sich gegen die "Einquartierung von Zigeunern", sogar in einem Beschwerdebrief an den Landeshauptmann, aussprachen.


Warum Roma-Kinder in der Schule Schwierigkeiten haben können

Verfolgt man die Schulkarrieren von Roma-Kindern (siehe Link "Schulstatistik"), so zeigt sich ein signifikant hoher Wert an Sonderschülern bzw. (seit Einführung der Integrationsklassen) an Kindern mit sonderpädagogischem Förderbedarf. Die Quoten jener Kinder, die die Klasse wiederholen müssen, sind überdurchschnittlich hoch, vor allem aber sticht die enorme Zahl von Rückstellungen und Wiederholungen der ersten Schulstufe hervor. Das Scheitern eines überproportionalen Anteils von Roma-Kindern im derzeitigen Schulsystem beruht in erster Linie auf dem Zusammenwirken von sozioökonomischen Faktoren – hierzu gehören zum Beispiel die beengten Wohnverhältnisse, die ein konzentriertes Arbeiten erschweren - und soziokulturellen Gegebenheiten – wie etwa das Gelten eines anderen Wertesystems. Das soziale Milieu, in dem die Roma-Kinder aufwachsen, wirkt sich also auf deren schulische Leistungen zumindest ebenso, wenn nicht noch stärker, aus wie deren Minderheitenstatus. Viele Roma-Kinder sind gegenüber anderen Kindern vom ersten Schultag an benachteiligt. Aufgrund mangelnder Förderung im Elternhaus sind sie schon zum Zeitpunkt des Schuleintritts den gestellten Anforderungen nicht gewachsen. Diese Rückstände vergrößern sich mit zunehmender Dauer, da das derzeitige Schulsystem eine Form von Unterstützung voraussetzt, die Roma-Eltern auf Grund eigener Bildungsdefizite nicht zu leisten imstande sind.

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Verbesserung der Schulerfolge durch Lernbetreuung

01-8-7 1Um eine maßgebliche Verbesserung herbeizuführen, bedarf es einer Änderung der schwierigen außerschulischen Rahmenbedingungen. Einen wesentlichen Beitrag dazu leistet die seit 1990 vom Verein "ROMA" angebotene außerschulische Lernbetreuung. Ihr ist es zu verdanken, dass der "Automatismus des Scheiterns" in der Schule durchbrochen wurde und schulischer Misserfolg in den letzten Jahren zunehmend die Ausnahme denn die Regel darstellt.

In der Regionalstelle Süd der Burgenländischen Volkshochschulen gibt es seit 1996 das Projekt "Chancengleichheit - Integration - Qualifikation. Für Roma-Jugendliche, die mittlere und höhere Schulen besuchen, wird individuelle, auf die jeweiligen Bedürfnisse angepasste Lernhilfe für einen erfolgreichen Schulbesuch, angeboten. Unterrichtsfach, Zeit und Umgfang der Betreuung wird mit den Jugendlichen beprochen. Die Lernhilfe wird das ganze Jahr über durchgeführt, auch während der Sommerferien zur Vorbereitung auf den Schuleinstieg bzw. auf eventuelle Wiederholungsprüfungen.


Auswege aus der Diskriminierung

Auch nach dem Ende des 2. Weltkriegs blieben die Burgenland-Roma auf der untersten Stufe der sozialen Hierarchie und waren in allen Lebensbereichen benachteiligt. Diskriminierungen in der Schule, am Arbeitsplatz, bei der Suche nach Wohnungen waren permanente Begleiterscheinungen des täglichen Lebens. Eindeutige Verstöße gegen die Grundrechte des Einzelnen waren keine Seltenheit. Die Burgenland-Roma verfügten weder über eine übergeordnete Lobby, die ihre Rechte nach außen hin vertrat, noch konnten sie auf Unterstützung in der Mehrheitsbevölkerung hoffen.

1989 wurde daher die erste Selbstorganisation der Roma, der "Verein zur Förderung der Roma und Sinti" - jetzt "Verein Roma, Oberwart" gegründet.


Gründung der ersten Vereine als Reaktion gegen die Diskriminierung

Ende der 1980er Jahre erreichten Diskriminierungen eine Selbstverständlichkeit, die eine Gruppe engagierter Roma und Nichtroma nicht länger bereit war hinzunehmen.

Die Einstellung einiger Gastwirte, jungen Roma generelles Lokalverbot zu erteilen, war das auslösende Moment für die Gründung der ersten Roma-Organisation in Österreich - des "Verein Roma" in Oberwart. In den nächsten Jahren entstanden weitere Roma-Vereine in Wien, Linz und Villach.


Anerkennung als 6. österreichische Volksgruppe

01-8-10 1Die Öffentlichkeitsarbeit der Roma-Vereine trug wesentlich dazu bei, dass die österreichischen Roma und Sinti 1993 als 6. Volksgruppe anerkannt wurden. Dem einstimmigen Nationalratsbeschluss gingen unzählige und teilweise nervenaufreibende Gespräche mit PolitikerInnen und BeamtInnen voraus. Viele bürokratische Hürden standen dem Vorhaben im Weg, Vorurteile mussten abgebaut und Aufklärungsarbeit musste geleistet werden.

Neben den damit zuerkannten Minderheitenrechten (Schutz und Förderung der Volksgruppe), hatte der Volksgruppenstatus vor allem zur Folge, dass die Lebensbedingungen der Burgenland-Roma, aber auch die Existenz kultureller Besonderheiten ins Bewusstsein der Öffentlichkeit rückten. Bis zu diesem Zeitpunkt war z.B. das Vorhandensein einer eigenen Sprache - des Roman - nur wenigen WissenschaftlerInnen und Interessierten bekannt.


Rechte der Volksgruppe

Am 16. Dezember 1993 wurden die Roma als sechste Volksgruppe in Österreich anerkannt.

Aus dem Volksgruppengesetz (VGG) und aus dem Rahmenübereinkommen zum Schutz nationaler Minderheiten (RÜK), eine rechtsverbindliche multilaterale Übereinkunft, die für Österreich ab 1. Juli 1998 in Kraft getreten ist, ergeben sich für die Roma u.a. folgende Rechte:

Recht auf Einrichtung von Volksgruppenbeiräten im Bundeskanzleramt zur Beratung der Bundesregierung und der BundesministerInnen in Volksgruppenangelegenheiten (VGG)


Recht auf Volksgruppenförderung durch den Bund (VGG)


Recht auf Kommunikationsfreiheit, auch in der Volksgruppensprache (RÜK)


Recht auf eigene Medien bzw. auf Förderung des Zugangs zu Medien (RÜK)


Recht auf topografische Bezeichnungen (Ortstafeln, öffentliche Aufschriften) in der Volksgruppensprache (VGG, RÜK)


Recht auf Verwendung der Volksgruppensprache in öffentlichen Behörden und Ämtern (VGG)


Recht auf Verwendung der Volksgruppensprache in allgemeinen öffentlichen Kundmachungen in Heimatgemeinden der Roma (VGG, RÜK)


Recht auf Verwendung der Volksgruppensprache bei Gerichtsverhandlungen (RÜK)


Recht auf Namensführung in der Volksgruppensprache (RÜK)


Recht auf Erlernung der Volksgruppensprache bzw. auf Unterricht in der Volksgruppensprache (in Kindergärten und Schulen) (VGG, RÜK)

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Rahmenübereinkommen zum Schutz nationaler Minderheiten

Die Rechte, die sich aus dem Rahmenübereinkommen (RÜK) zum Schutz nationaler Minderheiten ableiten, gelten in Österreich nicht automatisch; sie müssen durch so genannte "Erfüllungsgesetze" (d.s. Gesetze oder Verordnungen) durchgeführt werden.

Österreich hat sich als Vertragspartner verpflichtet, dem Europarat bis Juli 1999 einen Bericht über die Maßnahmen, die zur Umsetzung der Rechte führen, zu übermitteln. Da die österreichische Bundesregierung diesen Bericht nicht verfasste, schickte das Österreichische Volksgruppenzentrum als Dachorganisation von Vertretungsorganisationen aller autochthonen Volksgruppen in Österreich einen NGO-Bericht zur Verwirklichung der RÜK-Rechte. Die Darstellung, die auf dieser Seite abrufbar ist, gibt einen Überblick über die Rechte der österreichischen Minderheiten und deren Umsetzung.


Aufbruchstimmung

Diese öffentlich-politischen Ereignisse führten zu einer Aufbruchsstimmung bei den Burgenland-Roma und trugen wesentlich zur Bildung eines ethnischen Bewusstseins bei. Das Bekenntnis zur Roma-Identität wurde nicht mehr unweigerlich mit einem sozialen Abstieg verbunden. Rom oder Romni zu sein konnte nun auch positiv erlebt werden. Soziale Diskriminierungen und Vorurteile standen zwar weiterhin an der Tagesordnung, erfuhren jedoch zunehmend eine andere Bewertung. Lange Zeit vorherrschende Reaktionen wie Selbstvorwürfe, Rückzugstendenzen, Fatalismus, Sprachaufgabe und Assimilierung wurden durch ein selbstbewussteres Auftreten als Rom/Romni, Öffentlichkeitsarbeit und Systemkritik ersetzt. Nicht die sozialen Bedingungen hatten sich verändert, aber die Strategien, wie man diesen Bedingungen begegnete.


Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte und Kultur

Diese Entwicklung führte nun dazu, dass man sich vermehrt mit der eigenen Geschichte, Kultur und Sprache auseinanderzusetzen begann. Traditionen sollten wiederbelebt werden. So wurde z.B. der kontinuierliche Rückgang in der Romanverwendung zunehmend als Verlust empfunden und man betrachtete die eigene Sprache nun wieder als wichtiges ethnisches Merkmal, das für den Weiterbestand der Volksgruppe von immenser Bedeutung ist. Roman wurde in diesem Zusammenhang auch als Liedsprache wiederentdeckt. 1993 gründeten junge Oberwarter Roma die Band "Romano Rath" ("Roma-Blut"), deren Repertoire zum Großteil dem "Romano-Pop" zuzuordnen ist. Lieder auf Roman wurden bei verschiedenen Kulturveranstaltungen vorgetragen. Es entwickelte sich in weiterer Folge eine eigene Festkultur mit jährlich stattfindenden Roma-Bällen.
Dieses Bewusstsein über ein außergewöhnliches kulturelles Kapital zu verfügen, wirkte gerade in den ersten Jahren nach der Vereinsgründung identitätsstiftend. Die Pflege einer eigenen Kultur wurde nicht mehr als Hindernis auf dem Weg zur Assimilation betrachtet, sondern ist Ausdruck des selbstbewussten Versuchs, eine soziale Integration anzustreben - der Wunsch, ein gleichberechtigtes Miteinander unterschiedlicher Kulturen und Lebensstile zu erreichen.

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Erfolge der letzten Jahre

Diese immer breiter wirksame Aufbruchsstimmung wurde durch das politisch motivierte Attentat vom 2. Februar 1995, bei dem vier Roma durch eine Sprengfalle ermordet werden, jäh unterbrochen. Es folgten Monate der Angst. Der Nationalsozialismus war für viele Roma wieder gegenwärtig. Lange bekämpfte und bereits abgelegte Selbstzweifel und -vorwürfe traten wieder an die Oberfläche. Auch die Vereinsarbeit blieb davon nicht unbeeinflusst, aber es setzte sich der Wunsch durch, den eingeschlagenen Weg fortzusetzen.

Rekapituliert man heute die letzten 10 Jahre, so lässt sich ein durchaus positives Resümee ziehen. Viele Burgenland-Roma leben zwar nach wie vor unter unzumutbaren Bedingungen, Vorurteile und Diskriminierungen blieben weiterhin zentrale Begleiterscheinungen des täglichen Lebens, eine schrittweise Verringerung sozialer Gegensätze ist jedoch feststellbar. Erfolgreiche Initiativen, wie die Sozial- und Lernbetreuung, das Sprachprojekt, sowie der Roman-Unterricht in der Oberwarter Volksschule und Volkshochschule sind sichtbare Zeichen dieses Veränderungsprozesses.

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