Roma cajtung - Volkshochschule der Burgenländischen Roma

Mit der neuen Zeitung der Volkshochschule der Burgenländischen Roma bieten wir Ihnen einen genaueren Blick auf die Tätigkeit dieser Erwachsenbildungseinrichtung und Einblick in Themen, mit denen sich unsere ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter befassen. 

Die Volkshochschule der Burgenländischen Roma wurde gegründet, um für Roma und Nichtroma Angebote zu schaffen, die andere Vereine nicht leisten. Deshalb sei ein kurzer Rückblick auf die zentralen Entwicklungen der letzten Jahre erlaubt, um daraus hoffentlich Strategien für das 21. Jahrhundert zu entwickeln. 

Die Selbstorganisation der Roma in Österreich – ausgehend von Oberwart – ist eine fast unglaubliche Erfolgsstory und hat in den letzten 25 Jahren einen bis dahin undenkbaren Fortschritt für die Situation der Roma in Österreich bewirkt. Mit der Gründung der wichtigen ersten Vereine – Verein Roma Oberwart mit seiner damals jungen Crew und des Kulturvereins der Österreichischen Roma in Wien sowie des Romano Centro – wurde ein Bewusstseinswandel eingeleitet. Heute herrscht in großen Teilen der Gesellschaft Konsens darüber, dass jede Form der Diskriminierung abzulehnen und eine Gleichstellung von Roma und Nicht- Roma anzustreben ist. 

Auf den Lorbeeren, die seither erworben wurden, kann sich die Volksgruppe leider nicht ausruhen. Zum einen, weil noch immer zu viele Roma unter prekären Verhältnissen leben (müssen) und unter Diskriminierung leiden, zum anderen, weil die Entwicklungen in Europa schlimme Befürchtungen aufkommen lassen. 

Im Vergleich zu den 1980er Jahren leben wir heute in einer vollkommen veränderten politischen Situation. Durch die Öffnung des Ostblocks und die mit dem Umbruch verbundene massenhafte Exklusion der Roma aus dem gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Leben, mit dem Aufkommen von nationalistischen und mehr oder weniger offen rassistischen Parteien, hat sich das Klima verschlimmert. Antiziganistische Vorurteile sind in vielen Ländern Alltag und münden in Ausschreitungen, politischen Demonstrationen, Gewalt und noch mehr Ausgrenzung. 

Die Auswirkungen dieser Entwicklungen spüren wir auch in Österreich. 

Die Bettelverbote, die nach und nach in mehreren Bundesländern ausgesprochen wurden, richten sich fast ausschließlich gegen Roma aus den ehemaligen kommunistischen Ländern, die versuchen mit den milden Gaben der Wohlstandsgesellschaft ihr Überleben zu sichern. Es sind also eindeutig diskriminierende Gesetze. Die Stimmung, die gegen die bettelnden Roma gemacht wurde, schlägt sich in einem Vorurteilsgemenge nieder, dass auch für die hier lebenden Roma nichts Gutes vermuten lässt. 

Auch in Österreich bleibt viel zu tun. 

Obwohl sich die Lage der Roma tendenziell verbessert hat, bleiben enorme Defizite vor allem im Bereich der Bildung. Die verschiedenen unterstützenden Maßnahmen haben vielen Romakindern und -jugendlichen zwar den Besuch von Regelschulen ermöglicht, für allzu viele scheint aber nach der Pflichtschule eine gläserne Decke eingezogen zu sein. Eine gute Ausbildung, egal ob berufsbezogen oder schulisch, ist aber eine der wichtigsten Voraussetzungen für die gesellschaftliche Gleichstellung. 

Die alten – bisher erfolgreichen – Strategien werden angesichts der neuen Herausforderungen leider zu kurz greifen. Neue intelligente Konzepte müssen entwickelt werden, um die bisherige Erfolgsgeschichte weiter zu führen. 

Die neue Cajtung will Raum für den Diskurs bieten. 

Darüber hinaus soll die Roma Cajtung die Arbeit der Volkshochschule der Burgenländischen Roma dokumentieren und nachvollziehbar machen. Seit mehr als einem Jahrzehnt sind wir darum bemüht, das Wissen um die Geschichte und Kultur der Roma einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Neue Erkenntnisse stehen dabei im Vordergrund. Beispielhaft dafür sind die Vortrags- und Diskussionsabende mit dem Historiker Gerhard Baumgartner, dessen Forschungen den Holocaust an den Burgenland-Roma in neuem Licht erscheinen lassen. Nicht irgendwelche bösen Einzelerscheinungen unter den Nazis waren für die Deportation der Roma verantwortlich. Zumeist haben die Lokalbehörden eine zentrale Rolle gespielt. 

Das Bemühen um das Interesse von Menschen aller Bildungs- und Gesellschaftsschichten wird deutlich, wenn man sich die Palette unseres Angebots genauer ansieht. Es reicht von Sprachkursen, über Vorträge, Ausstellungen, Informationsangebote im Internet bis hin zu Studienreisen, Musikveranstaltungen und Roma-Bällen. 

Darüber und über vieles mehr werden wir in der Roma Cajtung berichten. 

Wir hoffen auf viele Leser und noch mehr Reaktionen. 

http://www.vhs-roma.eu/